Lernwaben – eine effiziente Lernraumerweiterung. Ein Interview mit Lukas Bär



Eine Lernwabe, was muss man sich darunter vorstellen?

Lernwaben sind wabenförmige Räume aus Holz oder Karton. Als modulare Raumstruktur laden sie ein zum Verweilen, Auftanken und zum kreativen Sein. Dank ihrer Sechseckform lassen sie sich vertikal stapeln und erweitern das Raumangebot effizient und platzsparend.

Die Wabenstruktur bildet kleinräumige Einheiten, dämpft den Aussenlärm und schirmt Einblicke ab.

Die einzelnen Waben werden je nach Einsatzort so dimensioniert, dass sie ein Gefühl von Privatheit, Geborgenheit und Ruhe vermitteln. Sie bieten sich für konzentriertes Lernen und Arbeiten ebenso an, wie fürs Spielen oder Entspannen. Die Wabenform ermöglicht mit ihren ergonomischen Winkeln eine entspannte Körperhaltung zwischen sitzen und liegen.

Gab es Prototypen, die anders aussehen als die nun produzierten Lernwaben?

Das Prinzip einer Wabenwand wurde von der Architektin Daniela Bär im Prozess einer Schulraumentwicklung erfunden, um der Platznot zu begegnen. Diese Idee wurde vom Lehrer Marcel Hofmann aufgenommen. Er baute für seine Klasse den ersten Prototypen aus Holz. Die Weiterentwicklung führte weg von der Stapelung von Einzelwaben hin zu einer modularen Wabenstruktur, die beliebig erweitert werden kann.

Die Lernwaben aus Karton entwickelte Marcel Hofmann aus einer tiefen Begeisterung für das nachhaltige Recyclingmaterial. Im Gegensatz zu den Holzwaben, die von einem Schreiner zusammengebaut werden, können die Kartonwaben als Bausatz im Unterricht gemeinsam mit den Kindern gebaut werden. Sie eignen sich ausgezeichnet, um Vorgaben aus dem Lehrplan 21 im handwerklich gestalterischen Unterricht umzusetzen und um die Klassengemeinschaft zu stärken.

Was bieten die Lernwaben den Kindern?

Die Kinder verbringen immer längere Zeit in der Schule. Mit den Lernwaben bieten wir ihnen einen Raum für individuelle Konzentration und Reflexion. Hier können sie sich vom Trubel des Tages zurückziehen und neue Energie schöpfen. Gleichzeitig sind gerade leicht ablenkbare Kinder froh um diesen Ort der Ruhe und inneren Fokussierung. Zwar sind sie akustisch und räumlich abgeschottet, dennoch bleibt der Blickkontakt bestehen und es findet keine Isolation von der Klasse statt.

Welche Möglichkeiten ergeben sich für die Lehrpersonen dadurch?

Die Waben sollen möglichst als Teil eines Raumkonzeptes eingesetzt werden, das im Sinne von Loris Malaguzzi den Raum als 3. Pädagogen versteht. So eröffnen sich neue Möglichkeiten, einen kindgerechten Unterricht zu planen und lernförderlich durchzuführen. Die Lernwaben unterstützen die Lehrpersonen bei der Anwendung von neuen Lern- und Lehrformen. Die Klasse lässt sich leichter in Gruppen aufteilen. Stilles Lernen oder leise Partnerarbeit können alternativ in den Lernwaben stattfinden.

Was hat es mit dem Wabenbaukurs auf sich?

Aus einem Kartonbausatz lässt sich mit den Schülerinnen und Schülern ein stabile, begehbare Lernwabe bauen, die mit Filz ausgekleidet und nach Belieben gestaltet werden kann. Der Kurs zum Bau von Kartonwaben befähigt die Teilnehmenden, anschliessend mit einer Gruppe ein Bauprojekt im TTG-Unterricht durchzuführen, das verschiedene Kompetenzen aus dem Lehrplan 21 fördert. Neben dem begeisternden Erlebnis, gemeinsam ein Möbel für das Klassenzimmer zu bauen, eröffnet sich eine Vielzahl von gestalterischen Optionen, seine Lernwabe zum individuellen Schmuckstück zu machen.

Wenn du an deine Schulzeit denkst: in welchen Momenten hättest du dich am liebsten in eine Wabe gelegt?

Als begeisterter Leser liebte ich die Schulbibliothek und die sporadischen Lesestunden heiss. Wenn ich mich bei diesen Gelegenheiten in eine Lernwabe hätte zurückziehen können, das wäre das Grösste gewesen.

Was sind die nächsten Schritte der Lernwabe?

Es gibt Anfragen nach Lernwaben im Aussenbereich. Gemeinsam mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften haben wir eine wetterfeste Version aus Faserverbundstoff entwickelt, die jetzt in der Testphase ist. Bald können wir mehr darüber berichten.

Lukas Bär, Lehrer an der Kunst- und Sportschule Zürich und PR- Beauftragter bei Lernwabe. www.lernwabe.ch


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