Schule21 macht glücklich. Zeitgemässe Schule gemeinschaftlich gestalten

von Jörg Berger aus dem smbulletin 2/2021 (https://www.schulmuseumbern.ch/publikationen)

Der Verband der Deutschschweizer Schulleitenden VSLCH hat unter dem Titel „Schule21macht glücklich“ ein Buch mit Beiträgen aus der Praxis von über 50 Autorinnen und Autoren herausgebracht. Es liest sich wie ein faszinierender Reiseführer durch die Volksschule von heute und morgen, der Fachleute ebenso wie Eltern und Kinder begeistert.

Die Behauptung, dass Schule21 glücklich macht, scheint gewagt. Aber nur auf den ersten Blick. Denn es geht uns Schulleitenden darum, zu zeigen, was die Schule im 21. Jahrhundert tun kann, um ihren Teil für ein glückliches, gesundes und selbstbestimmtes Leben zu leisten: für die Kinder, die Eltern, die Lehrpersonen, die Schulleitenden und für die Gesellschaft. Das Buch ist randvoll mit praktischen Beispielen aus dem Schulalltag und mit Ideen und Visionen von Schulleitenden. Wie funktioniert Draussenschule? Wie kommt der Humor ins Klassenzimmer? Wie geht ganzheitliches Lernen im 21. Jahrhundert? Auf diese und viele andere Fragen gibt das Buch Antworten. Der Verband der Schulleitenden will so die Lust auf die Schule wecken und sie verstärken: Hin zum gemeinsamen und individuellen Entdecken, Ausprobieren, Erfahren und der Freude am Erbringen von Leistungen. Mit Zuversicht und dem Glauben ans Gelingen vereint mit gesunder Kraft, Rückschläge nicht mehr als Katastrophe, sondern als wichtigen Schritt auf dem Weg zur weiteren Entwicklung wahrzunehmen. Im Bewusstsein, dass Schulentwicklung keine Copy-Paste-Angelegenheit ist, keine Systemanpassung und keine Unterrichtsmethode als Selbstläufer wirken, dass die Lehrpersonen den entscheidenden Beitrag leisten zur Qualität des Lernangebots und zum Gelingen von Schulentwicklung, sollen die Beiträge in diesem Buch zur Diskussion einladen. Die Beiträge zeigen auf, mit welchen Überlegungen aus der Praxis der Schulleitenden und ihren Lehrpersonen den Herausforderungen im Schulalltag begegnet wird und werden kann. Sie sollen inspirieren, und auch irritieren, um sich mit der Zukunft der Schule21 als Institution und der eigenen Rolle darin auseinanderzusetzen. Wir freuen uns sehr, unser Visionsbuch „Schule21 macht glücklich“ als Zeitdokument im Schulmuseum Bern zu wissen und danken an dieser Stelle für das entgegengebrachte Interesse. Vision Schule21 In der Schule des 21. Jahrhunderts lernen die Schülerinnen und Schüler mit allen Sinnen. Wir schaffen Gelegenheiten, in denen sie ihre Stärken entfalten. Es ist eine Schule, in welcher der physische Raum vielfältig nutzbar wird mit Sitzkreis, Leseecke, Reflexionsort, Rückzugsmöglichkeiten, Studiumsplatz, Begegnungszonen für Dialog, Diskussion und Präsentation, MakerSpace und der digitale (virtuelle) Raum, Cloud, Learning-Apps usw. für eine grosse Methodenvielfalt immer differenzierter einbezogen und mitgedacht wird, um das Lernen selbst und die Freude daran zu leben. Es ist eine Schule, in der jeder Schüler, jede Schülerin sowohl dem eigenen Lernweg folgen kann und an gemeinsamen Projekten mitarbeitet. Damit lernen Schülerinnen und Schüler, wie sie leben, ihre Geschichte erzählen, das 21. Jahrhundert entdecken und verwandeln können. Es ist eine Schule mit originellen und kreativen Projekten, die den Herzen der Kinder und Jugendlichen entspringen und einen direkten Zusammenhang mit den grossen Herausforderungen unserer Zeit haben. Es ist eine Schule, in der Technologien als Hilfsmittel verstanden, anerkannt und gezielt genutzt werden. Es ist eine Schule, in der sich alle verständigen und in der die benötigten Grundlagen für kreatives Denken und Handeln ermöglicht werden. Es ist eine Schule, in der Schülerinnen und Schüler die Sprache des kritischen Denkens lernen und die Sprache der Emotionen. Es ist eine Schule, in der formativ begutachtet wird mittels Selbst-, Peer- und Fremdbegutachtung. Es ist eine Schule, in der die Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam lernen, Entwicklungen durch Selbstgestaltung initiieren, in Kooperation Lernangebote planen, miteinander über ihre Erfahrungen in der Lernberatung sprechen und ihre Zusammenarbeit und Erfolge gebührend wertschätzen.

Es ist eine Schule, in der die Schülerinnen und Schüler sich selbst einschätzen lernen und in der sie weitgehend selber entscheiden, was sie mit ihrer Zeit anfangen wollen. Schule21 ist ein Lernort, der allen Menschen offensteht. Schule21 ist eine Schule, die sich selbst als lernende Organisation versteht. Sie kooperiert sowohl in Netzwerken mit anderen Schulen als auch mit weiteren Partnern, zum Beispiel mit der Wissenschaft. Dadurch handelt, verändert und entwickelt sie sich mit Blick auf aktuelle Forschungsergebnisse und auf globale und lokale Realitäten. Durch diese Entwicklung schärfen die Schulen ihre Identität, entwickeln sich zu professionellen Lerngemeinschaften und verdeutlichen ihre Relevanz für die Menschen des 21. Jahrhunderts. So ist es eine Schule, die sich als Teil unserer gesamten Gesellschaft versteht. Als Hauptakteure erhalten die Schülerinnen und Schüler mit ihren Eltern die höchstmögliche Beachtung, wenn es um Einbezug, Mitgestaltung und Mitbestimmung geht. Schulen21 verändern die Welt, und sie tun dies, indem sie aus den besten Erfahrungen lernen und konkrete Massnahmen ergreifen, jeden Tag aufs Neue. Jörg Berger Jörg Berger ist Geschäftsleitungsmitglied des Verbandes Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz (VSLCH) und Initiant des kollaborativen Buchprojekts „Schule21 macht glücklich“. Seit 13 Jahren führt er die Schule Knonau und das Netzwerk altersdurchmischter Schulen im Kanton Zürich. Er fungiert als Co-Lehrgangsleiter im CAS Digital Leadership in Education an der Pädagogischen Hochschule Zürich, wo er auch für den Blog Schulführung verantwortlich ist. Weiter ist er Vorstandsmitglied von profilQ, der Allianz für Schulqualität.


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